Ein schöner Tod II

Habe heute Mutti den Fernseher eingestellt, irgendwas funktionierte da nicht. Ich setze mich in den Fernsehsessel.. da saß er immer. Schnell woanders hingesetzt und mir nichts anmerken lassen.

Kuchen für Mutti mitgebracht, sie hat schon den Küchentisch gedeckt…. mein Teller steht auf seinem Platz…

Versuche den Teller unauffällig auf „meinen“ Platz zu schieben. Dort, wo ich immer gesessen habe, als er noch da war.

Es ist so ruhig, wenn ich nun in Bremen bin. Es ist so leer. Keine Meinungsverschiedenheiten mehr. Oh, er konnte ja so aufbrausend werden, wenn es anders lief, als er es sich vorstellte. Dann konnten die Nachbarn bei geschlossenem Fenster mithören  Kein liebevolles Lächeln mehr, wenn wir uns ohne Worte verstanden haben.

Nun ist es bald ein Vierteljahr her, dass er nicht mehr bei uns ist. Und so langsam erst merke ich, er fehlt überall. Nicht nur in Bremen. Einfach überall. Seine tiefe, voluminöse Stimme – sogar, wenn er leise redete, konnte seine Frau ihn auch ohne Hörgerät verstehen. Nur zuletzt nicht mehr wirklich, weil er kaum noch Kraft zum Reden hatte… Verdammt – ich will mich wieder mit ihm zoffen. Ich will, dass er mich mal wieder auf den Pott setzt. Ich will…

Nicht zu fassen, was für eine Lücke ein geliebter Mensch hinterlassen kann!

©Sabine Koss

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