Monat: Januar 2017

Falscher Stolz

tag-der-deutschen-zwietracht
Deutschtümelei

Mir ist warm
Ich habe ein Dach über dem Kopf
Ich habe mein Auskommen
Ich kann mir nicht viel leisten
Aber ich habe meine Freunde
Meinen lieben Mann
Meine Tiere, mein Zuhause
Was will ich mehr?
Auch wenn das Geld nicht reicht
Kann ich zufrieden sein
Auch wenn ich Hartz IV empfange
Habe ich doch alles
Was ich brauche
Minimum, aber immer noch mehr
Als so viele Menschen auf dieser Welt
Woher kommt der Hass
Auf Fremde, Bedrohte Menschen
Die nicht zu unserem Kulturkreis gehören?
Was können sie uns,
Die wir nichts besitzen noch nehmen?
Unser Deutschtum
Unsere Kultur?
Unsere Wohnung, unsere Heimat?
Wovor haben unsere besorgten Bürger
Nur Angst?
Was kann man Menschen nehmen
Die nichts haben?
Einen Stolz auf etwas
Das nicht verdient wurde?
Auf ein Vaterland,
In das wir geboren wurden?
Wovor haben wir Angst?
Dass der HartzIV Anspruch
Genommen wird?
Warum geht ihr Hass nicht
An die richtige Adresse
An die Menschen
Die Schuld sind an ihrem Elend?
Die auf Kosten anderer
Leben und schwelgen
Die in einer Minderheit
Einen Großteil des Geldes
Der Macht beherrschen?
Haben sie vielleicht Angst vor denen
Und fühlen sich nur stark
Wenn sie vor verzweifelten
Hilflosen Menschen stehen?
Die fliehen vor Krieg
Folter und Misshandlung
Die anders aussehen und denken?
Sie berufen sich auf Bildung und Kultur
Die sie nie genossen haben
Und beleidigen Menschen
Die nicht aussehen wie sie
Die aus einem anderen Land
Einer anderen Kultur kommen
Die unserer Kultur
In keiner Weise zurücksteht
Ganz im Gegenteil
Sie hat uns so viel voraus
Sie sind stolz
Diese besorgten Bürger
Aber bitte
Worauf denn nur?
Copyright Sabine Adameit

Die Liebe und der Tod

 

lebens-lauf
Lebens Lauf

Schlaflos, hilflos
Machtlos, schwankend zwischen
Kämpfen und Loslassen
Hoffnung nicht aufgeben
Schicksal, Bestimmung annehmen
Nicht akzeptieren oder
Den Lauf der Dinge annehmen
Einfach nur Gott vertrauen
Glauben leben
Darauf vertrauen
Dass ich nichts ändern kann
Dass alles vorbestimmt ist
Nicht in meiner Macht liegt
Zu verhindern
Oder überzeugt sein
Dass ich sein Werkzeug bin
Und meine Kraft
Meine Liebe einsetze
Alles zu versuchen
Das Rad zu wenden
So schwierig
Glauben zu leben
Ohne ihn zu missbrauchen
Ohne überheblich und
Eigenmächtig gegen Seinen
Willen zu agieren
Ein schmaler Grat
Zwischen helfen
Und eingreifen
In Seinen Plan
Wann weiß ich
Dass ich meine Kraft
Sinnvoll einsetze
Oder nur egoistisch agiere
Wann darf ich Leben retten
Wann muss ich loslassen
Ein schmaler Grad
Zwischen akzeptieren
Und helfend agieren
Immer wenn ich
Vor dieser Frage stehe
Schließe ich die Augen
Spüre mein Gegenüber
Das gehen muss
Das ich so liebe
Das ein Leben mit mir verbracht
Und dann
Gibt es keine Fragen mehr
Keine Zweifel
Dann nimmt er mich
An die Hand und
Flüstert: vertraue mir
Und wenn ich zuhöre
Werde ich ganz still
Spüre eine große Wärme
Und weiß
Wenn es so weit ist
Ist alles gut
Alles so klar
In meiner kleinen Welt
Wird eine große Lücke entstehen
Doch unsere Seelen
Bleiben eins.
Der Tod kann trennen
Die Liebe stirbt nie.
Copyrights Sabine Adameit

Ein ungebetener Gast

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Leaving

Er schleicht sich ein
Ohne anzuklopfen
Steht er plötzlich da
Macht sich breit
Schweigend. Ist er
Bedrohlich oder freundlich
Beängstigend oder erlösend
Er nimmt sich Zeit
Spielt mit Hoffen und Bangen
Angst und Hilflosigkeit
Mit Lebenswillen und Schwäche
Soll ich mich anfreunden
Mit dem Erlöser
Oder mich wehren
Gegen sein Erscheinen
Nehme ich ihn an
Oder wehre ich mich gegen ihn
Versuche, ihm zu entreißen
Was er sich holen will?
Mein Flehen, meine Tränen
Beeindrucken ihn nicht
Er ist unerbittlich
Er läßt sich nichts anbieten
Ich kann ihn nicht überreden
Seinen Entschluss zu ändern
Ich sehe ihn nicht
Ich spüre ihn
Er ist in allen Räumen
So plötzlich
Immer unerwartet
Es ist so kalt
Wenn er in meiner Nähe ist
Er bringt Trauer, Verzweiflung
Aber auch Frieden
Doch er bleibt ein ungebetener Gast
Der Tod.
Copyrights Sabine Adameit

Ich habe Angst

 

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Homeless

Ich habe Angst
Wenn ich aufwache
Sind meine paar Habseligkeiten noch da?
Meine warme Jacke, meine Schuhe
Die ich so dringend brauche
Wenn ich wieder
Auf die Waltz gehe
Wenn ich unter Menschen bin
Die mich verachten
Weil ich nicht lebe, wie sie
Weil ich mich dem Hamsterrad entzogen habe
Nicht der Norm entspreche
Nicht aussehe, wie sie
Ich habe Angst
Bei jedem Schritt
Den ich gehe
Ich verstecke mich
Ich weiche aus
Nur nicht auffallen
Bloß nicht anecken
Lasst mich doch
Einfach in Ruhe
Ich will doch nur
Mein kleines Leben leben
Ganz für mich
Was stört euch daran?
Ich tue niemandem etwas
Aber ihr fühlt euch bedroht
Nur weil es mich gibt
Nur weil ich keine Wohnung habe
Ihr nennt mich assozial
Haltet mich für gefährlich
Nur weil ich die Freiheit gewählt habe
Meine kleine Freiheit
Die ich mir jeden Tag
Hart erkämpfen muss
Ohne Absicherung
Ohne Wissen
Wie es morgen weitergeht
Ohne Bleibe, ohne Habe
Es gibt nur mich
Und meine Entscheidung
Ein anderes Leben
Zu führen, als ihr
Ich habe Angst
Einfach nur
Weil es mich gibt.
Ich habe Angst
Wenn ich schlafen gehe
Vor Menschen
Die ihren Hass an mir auslassen
Die mich beleidigen, erniedrigen
Schlagen, töten
Ich habe Angst
Weil ich anders bin.

Copyrights Sabine Adameit