Schlaflos

Nacht der Schatten,

Angstbesetzt,

die Dämonen trauen sich ans Licht.

Wehrlos ausgeliefert,

Flucht in traumlosen Schlaf.

Zerren Phantome.

Atem fließt unruhig,

Gedanken wirbeln,

Schlaf weicht der Unruhe.

Die Nacht wird zum Tag.

Bruder Schlaf wird zum Feind,

strafende Angst

Bebt im Körper.

© Sabine Koss

Ineinander

Deine Stimme umhüllt meine Seele
Worte der Liebe
Entführen mich in eine Welt
die nur für uns erschaffen.

Tiefe Nacht der Geborgenheit
Dein ruhiger Atem
Gibt mir das Gefühl von Sicherheit
Taucht mich in Träume.

Arme, die mich umschlingen
Körper, die sich finden
Im Gefühl der Ewigkeit
Ineinander verschmelzen.

© Sabine Koss

Die zwei Gesichter

Sind das die liebenden Hände, die sie kennt? Wie kann so etwas möglich sein. In der letzten Nacht waren sie zärtlich. Tasteten sich an den Schultern den Rücken entlang zu den Stellen, die ihr soviel Lust zu geben vermochten. Sanfte Worte flüsterte er dabei. Ein wunderschönes warmes Gefühl der Geborgenheit durchfloss sie. „Ich liebe dich“, hauchte er.

Kalt sind seine Augen und hart. Der Schlag hat gesessen. Durch die Wucht wird sie gegen die Heizungsrippe geschleudert. „Du bist der letzte Dreck! Dich sollte man an den Haaren hinter einem Auto herziehen.“
Zitternd kauerte sie an der warmen Heizung. Ihr fehlen die Worte.
Blut rinnt am Ohr herunter. Von der folgenden Ohrfeige reißt ihre Lippe auf. Die nächste traf das Auge.

Der Vortrag, den er auf der Vernissage hielt, wurde stürmisch beklatscht. Seine intelligente und differenzierte Herangehensweise an die Technik des Malers und seiner Vita begeisterte das Publikum.
„So ein sensibler Mann, Sie können sich glücklich schätzen“. ‚Wenn ihr wüsstest‘, dachte sie bei sich. Laut sagte sie: „Ja, er hat sich sehr lange auf diese Ausstellung vorbereitet. Ich habe ihn Tage nicht gesehen, weil er sich in den Bibliotheken vergraben hatte“. Am Morgen noch waren sie gemeinsam Make-Up kaufen gegangen, um die blauen Flecke im Gesicht zu kaschieren. Sie war mittlerweile eine perfekte Maskenbildnerin geworden. Es war so gut wie nichts mehr zu sehen von der letzten Nacht. Zärtlich sah er sie an und prostete ihr mit einem Glas Champagner zu. Die sehnsüchtigen Blicke der Damen wandten sich enttäuscht ab. Sie hätten gerne mit ihr getauscht. Sie kannten nur ein Gesicht von ihm. Das andere kannte nur sie.

© Sabine Koss

Eins mit dir

Einsame Nacht, so ungewohnt,
alles fehlt, schlaflos,
die Wärme, deine sanfte Stimme,
deine Ruhe fehlt mir so sehr.

Nichts ist mehr, wie es war,
ich kann es nicht mehr genießen,
das Alleinsein.
Stille, die mich unruhig macht.

Wärme die mir fehlt,
Sehnsucht, die schmerzt.
Trost bringt nur deine Stimme
Am Telefon tröstend, liebend

Grausam diese Entfernung,
der Abschied am Morgen.
Ein letztes Lächeln,
ein letzter Kuss.

Bald, nur ein paar Tage,
Haut an Haut,
Körper an Körper,
ganz eins mit dir

© Sabine Koss