Kategorie: Stories

Kurzgeschichten

Koma

schlaflos
Koma

Er kommt auf mich zu
Mit wutverzerrter Grimasse
Schlägt er mir ins Gesicht
Sturz auf den Stein
Mit dem Hinterkopf
Die Welt verschwindet
Ich kann mich nicht bewegen
Menschen um mich
Ich höre sie
Wie aus einer anderen Welt
Dann wird es dunkel
Es gibt mich nicht mehr
Schwarz, alles ist schwarz
Kein Gefühl, keine Wahrnehmung
Keine Regung, ich habe sie verlassen
Die Welt, das Irdische
Stunden ohne Bewusstsein
Im Irgendwo, im absoluten Nichts.

Erwachen in eine neue Welt
Nichts ist mehr, wie es war.
Copyrights Sabine Adameit

Ordnung schaffen

IMG_20160214_174451
Vino Rosso

Es war wieder einmal einer der Abende, an denen unser Freund Piet, gemeinsam mit dem Besten aller Ehemänner und dem süßesten Zottelhund, unserem Choppi, die Probleme der Welt erörterten. Der Rotwein stand atmend auf dem Tisch, die Gläser wurden erhoben und schon konnte es losgehen. Alltagsprobleme wurden kurz angesprochen. Welche Sense ist die Beste, Probleme mit dem Aufsitzrasenmäher wurden geschildert. Von dem fetten Marschboden hier in unserer Gegend, kam man schnell auf die Umweltprobleme zu sprechen. Landwirte, die das Grundwasser verschmutzen führten zu weiteren grundsätzlichen Problemen, wie Lebensmittelverseuchung, Milchpreisen, der „Bio“lüge (wo Bio draufsteht, ist noch lange nicht Bio drin) und ähnlichem. Nach dem dritten Glas Wein war man sich einig, dass das alles so nicht weitergehen kann.

Gerade wurde geheut, das heißt, einige Kitze mussten ihr Leben lassen, nur weil der Landwirt keine Zeit hat, seine Weiden vorher zu überprüfen. Schön findet er es ja auch nicht, aber so ist das nun mal, wenn der Profit vor Menschlichkeit geht. Wenn es nur noch um Geld und nicht um Leben geht. Abgehakt, so ist es nunmal.
Piet schenkt nochmal ein und berichtet stolz von seiner letzten Jagd. Auch da musste wieder ein junger Bock dran glauben. Choppi schaut Piet kritisch an, aber die frische Rehkeule, die ihn bald erwartet, besänftigt ihn. So ist nun mal das Leben. Jagen und gejagt werden. Tiere können davon eine Elegie singen. Menschen bekommen davon Frust, traumatische Erlebnisse, zumindest Depressionen oder pflegen unangebrachten Jagdstolz, wenn sie hinterrücks auf ein Tier schießen. Bei Menschen nennt sich diese Art von Jagd Mobbing. Tiere kostet sie das Leben. Und schon sind wir bei der zweiten Flasche.

Nun wird Piets Gesicht noch ernster. Was ist nur mit den Menschen los. Haben sie denn alles vergessen? Mittlerweile würden abseits vom Mobben auch wieder unverhohlen deutlichere Akzente gesetzt, stellt er fest. Zum Beispiel, wenn es um F!üchtlinge und Asylanten geht. Wurde vor noch nicht langer Zeit unter vorgehaltener Hand am Stammtisch über Menschen hergezogen, die zugezogen waren, wird nun lauthals proklamiert, dass alles Elend von diesen Fremden kommt. Piet schildert meinem Besten aller Ehemänner detailliert, was die Einheimischen von dieser neuen Flut fremder Kulturen halten. Es macht ihm Angst. Er erinnert sich an frühere Zeiten. Damals waren es die Juden, die den Sündenbock abgeben mussten. Heute sind es ganz undifferenziert einfach alle, die nicht in Deutschland geboren wurden. Alle denen es schlechter geht, als uns, die wir in einem reichen, demokratischen, freien und vielleicht schon zu lange, friedlichen Land geboren wurden. All das können uns diese Fremden, diese Flüchtlinge ja nehmen, heißt es am Stammtisch. Piet schüttelt traurig mit dem Kopf und schenkt gedankenverloren noch einen ein. Der Beste aller Ehemänner wird immer stiller, er verträgt lange nicht so viel, wie Piet. Der ist ja im Training. Aber, da Piet auch gerne schnackt, ist er dafür gar nicht so undankbar. Er kann auch sehr gut alleine sinnieren. Der Beste aller Ehemänner nickt dankbar mit dem Kopf und ist froh, dass seine Meinung, die er nicht mehr so wirklich artikulieren kann, nicht unbedingt verbal gefragt ist.

Von den Umwelt- und Flüchtlingsproblemen geht es übergangslos zurück zur Landwirtschaft und nochmal der Milchquote. So kann das aber wirklich nicht weitergehen. Das Angebot steigt, die Preise sinken. Piet hat Recht, wenn er klarstellt, dass die Bauern von den staatlichen Almosen nicht leben können. Gut, haben wir das auch erledigt. Darauf trinken wir noch einen. Mittlerweile hat Choppi den Papierkorb gründlich geleert, den Kühen mal ordentlich Bescheid gegeben und Piets Dackel, der, wie zur Bestätigung immer mal wieder vor sich hin kläffte, richtig den Marsch geblasen. Wieder sind wir einen Schritt weiter, die Welt zu ordnen. Was wären wir bloß ohne Piet, den Besten aller Ehemänner und natürlich Choppi, der für Ordnung im Haushalt sorgt.
©S. Adameit

Was haben wir falsch gemacht


Nazis.jpg

 

In der Schule wurde mir der Nationalsozialismus vermittelt.
Es hat mich so beeindruckt,
dass ich keine Deutsche mehr sein
und meinen Pass abgeben wollte.
Ich habe es dann doch nicht gemacht,
weil ich nach Indien reisen wollte.
Ein deutscher Pass ist für das Visum doch ganz hilfreich.
Ich habe mich damals geschämt, Abkömmling solcher Bestien zu sein.
Sogar mein Vater war als Pimpf begeistert von dem Pack.
Aber er hat gelernt. Als 14jähriger hatte er kaum eine Chance
diesen Fanatismus zu durchschauen.
Für ihn war es eine Art Pfadfindergemeinschaft,
ein Zugehörigkeitsgefühl, was er bis dahin nicht kannte.
Bis er dann an die Front musste.
Da kamen dann doch leise Zweifel.
Schwer verletzt wurde er von einem Priester gerettet
und merkte, welch Scharlatanen er aufgesessen war.
Meine Familie floh aus Ostpreußen
mit Nazis hatten sie nichts am Hut,
sie mussten nur unter ihnen leiden.
Das ist alles lange her.
Diese Familie lebt nicht mehr.
Ich lebe weiter mit diesem Hintergrund, mit diesem Wissen.
Ich war so sicher, dass man aus dieser Historie gelernt hat.
Ich war so sicher, dass wir nur noch für den Frieden leben wollen.
Ich war so sicher, dass so etwas nie, nie wieder geschieht.

Was haben wir falsch gemacht?

Wie können gerade ältere Menschen,
die diese Vergangenheit zwar nicht mehr persönlich,
aber über die Familie erfahren haben,
heute wieder nach einer starken Führung schreien.
Demokratie verteufeln und Menschen in Kategorien einordnen,
wie früher Juden = „Untermenschen“ etc.?
Was haben wir bloß falsch gemacht,
dass heute Menschen auf ihr Vaterland stolz sind, wenn sie
„besorgt und aufrecht“, Menschen verurteilen,
verachten, diskriminieren, abklatschen?
Menschen aufgrund von Glauben oder Hautfarbe
jede Existenz absprechen, sie als nicht zugehörig empfinden,
ihnen unterstellen, sie könnten unsere freie Gesellschaft zerstören?
Heute muss ich mich wieder schämen.
Heute könnte ich wieder meine Staatsbürgerschaft abgeben.
Heute darf ich nicht schweigen, wie es früher geschah.
Heute wird alles, wofür wir nach dem Krieg einstanden,
ad acta gelegt. Zur Farce gemacht.
Alles vergessen, nichts gelernt,
nichts vermittelt.
Was haben wir falsch gemacht?
©S. Adameit

Das Boot

Help!
Help!

„Allah sei Dank, wir haben es geschafft!“ Schweißüberströmt blickt er in die ängstlichen Augen seiner Frau. Die Kinder schmiegen sich zitternd an sie. Das Baby wimmert zum Herzerbarmen. Es hat Hunger, wie immer. Das Boot schaukelt bedrohlich, 250 Menschen teilen es sich. Wellen schwappen hinein. Die Hitze ist unerträglich. Nicht mehr lange dann ist alles gut. Keine Todesangst mehr, keine Verfolgung. Die Hoffnung gibt ihm Kraft, seine Familie zu trösten: „Wir werden ein Heim haben. Keine Menschen, keine Bomben mehr, die uns bedrohen.“ Traurig denkt er zurück an die schrecklichen Erlebnisse. Drei seiner Kinder haben es nicht geschafft. Die Bande hatte sie verschleppt. Er musste es hilflos mitansehen.

Sturm zieht auf. Das Boot stößt in die Wellen. Bis zu den Knien geht das Wasser nun schon. Arm in Arm hält sich die Familie, sie beten. Jeder für sich. Die Wogen peitschen ihnen ins Gesicht. Schützend beugt sich die Mutter über ihr Baby. Leise summt sie ein Lied, um es zu beruhigen. Es ist stockdunkel geworden. Nur die Blitze erhellen den Himmel beängstigend. Noch immer ist kein Land in Sicht.

Die Furcht steigt ihm in die Kehle. Wie lange wird uns das Boot noch tragen? Unruhe breitet sich aus. Bloß jetzt nicht panisch werden. Es wird alles gut. Allah ist mit uns. Er hat es möglich gemacht, dass wir fliehen konnten. Er wird uns beschützen.

Ein unbeschreiblicher Knall reißt ihn aus seinen Gedanken. Das Boot macht einen unglaublichen Satz, hebt ab, dreht sich in der Luft und kentert. Als er wieder auftaucht, hört er von weitem lautes Wimmern und Schreien. „Sira“, brüllt er in die Finsternis, „Shari, Jalia wo seid ihr?“ Verzweifelt kämpft er gegen die Strömung an, um zu den Stimmen zu gelangen. Seine Kräfte lassen nach, die Brecher sind zu stark. Allah beschütze meine Familie, waren seine letzten Gedanken.

© Sabine Adameit

Trauma Budapest

Diese Enge ist einfach unerträglich. Die Luft ist zum Schneiden. Überall weinen Kinder. Verzweifelte Menschen versuchen, eine Lücke in den Absperrungen zu finden. Es geht einfach nicht weiter. Seit Tagen sitzen sie zusammengepfercht hier. Für Tausende von Menschen gibt es gerade mal vier Toiletten. Duschen, sanitäre Anlagen sind nicht vorhanden. Nichts haben diese Menschen. Sie haben einfach nur ihr nacktes Leben gerettet. Sie sind froh, dass sie keine Angst mehr haben müssen, erschossen zu werden. Obwohl, wenn man die Sicherheitskräfte, die hier rumlaufen so ansieht, dann sind sie nicht sicher, ob sie beschützt werden oder andere vor ihnen beschützt werden sollen.

Sie entkamen einer unmenschlichen Welt, nur um in die nächste zu fliehen. Sie waren so glücklich, als sie endlich in Budapest ankamen. War nun alles umsonst? Gibt es denn keinen Platz, wo sie einfach nur in Frieden leben können? Hasserfüllte Gesichter um sie herum. Brüllende Menschen, die ihnen deutlich zeigen, dass sie unerwünscht sind. Gibt es denn gar keinen Ausweg? Sie haben den Krieg nicht gewollt, sie mussten ihn nur erleiden. Wo sie auch hinkommen. Sie werden verfolgt. Brutalem Hass sind sie ausgesetzt. Erst in ihrer Heimat, nun hier. Was haben sie getan? Warum dürfen sie nicht einfach nur leben, arbeiten und ihre Kinder großziehen. Mehr wollen sie doch gar nicht. Ist das denn zuviel verlangt?

© Sabine Koss

Der Besuch

Langsam bewegt er sich. Vorsichtig setzt er seine Schritte. Der enge Waldweg ist durchsetzt mit dicken Baumwurzeln. Doch es liegt mittlerweile in seiner Natur, auch die gut ausgebauten Wege nur ganz behutsam zu betreten. Man könnte umknicken, gar stolpern. Bei seinem ‚Glück‘ wird er sich wahrscheinlich gleich beide Beine brechen. Gedankenverloren blickt er in die Baumkronen.

Was für eine Zeit durchlebt er gerade. Am liebsten würde er keinen einzigen Schritt mehr weitergehen und einfach hier in dieser herrlichen Stille und Geborgenheit bleiben. Keine Menschen in der Nähe, mit denen er sich vergleichen muss. Das hat er sich so angewöhnt.

So selbstbewusst wirken die anderen. So bestimmt und entscheidungsfreudig, als ob es das Leichteste auf der Welt wäre. Er hat morgens schon Probleme, ob er nun ein Vollkornbrot oder ein Toast zu sich nimmt. Oder am besten lieber gar nichts, bei seinen Gewichtsproblemen. Die anderen, sie sehen so gut aus. Kaum Falten, meist schlanke Figuren in seinem Bekanntenkreis. Freunde hat er nicht. Trotz reiferen Alters wirken sie jung und dynamisch. Er fühlt sich wie ein alter Mann. Dabei ist er, wie man es so schön nennt, in den besten Jahren. Der Verstand sagt ihm schon, dass die anderen sicher auch ihre Probleme haben, doch ihm sieht man sie an, da ist er ganz sicher, ihnen überhaupt nicht.

Mit leiser Stimme summt er eine Melodie, die ihn sein Leben lang begleitet hat. Seine Stimme ist eingerostet, findet er. Gibt es eigentlich noch irgendetwas, was er an sich mag? Sicher, er ist empfindsam und müht sich, anderen behilflich zu sein, ob nun im Job oder privat. Aber das ist ja auch selbstverständlich. Er macht es gerne. Das ist nicht der Erwähnung wert.

Er sieht an sich herunter. Die Kleidung hat auch schon bessere Tage gesehen. Die Sohlen der Schuhe abgelaufen, der Saum der Jeans zerschlissen.

Es werden auch wieder bessere Tage kommen. Tage, an denen er wieder aufrecht gehen kann. An denen die Sorgen seine Schultern nicht mehr herunterzwingen. So darf es nicht weitergehen. Morgen wird er sich neu einkleiden. Das soll sich auch positiv auf das Selbstbewusstsein auswirken, hat er irgendwo gelesen. Seine Bekannten werden ihn mit anderen Augen betrachten. Er malt sich aus, wie er ins Büro geht, sicheren Schrittes, hocherhobenen Hauptes. Diese Haltung, die er bei anderen so beneidet, dieser „Ich kann alles erreichen Gang“.

Allein in diesem Moment, in dem er nur daran denkt, geht es ihm schon viel besser. Er fühlt sich leichter. Ballast fällt ab. Seine Schritte werden schneller.

Er sieht sein Auto nahe der Straße stehen, dreckig ist es. Ungepflegt, genau wie er. Ein Nullachtfünfzehn Auto, genau wie er ein Nullachtfünfzehn Mann ist. Da ist es wieder, dieses Gefühl der Minderwertigkeit, Unwichtigkeit, Nutzlosigkeit. Nein, er wird es nie schaffen, so aufzutreten, wie andere. Er hat einfach nicht das Zeug dazu. Niedergeschlagen steigt er in sein Auto ein. Beim dritten Startversuch jault der Motor auf. Leise knirschen die Reifen auf dem schmalen Weg.

Zuhause angekommen, legt er eine Platte auf. Er liebt diese altmodischen Schallplatten und schenkt sich ein Glas Wein ein. Die Flasche ist auch schon wieder leer.

Das Telefon klingelt. Nein, er will jetzt nicht rangehen. Aber vielleicht ist es ja etwas Wichtiges? Eine fröhliche Frauenstimme fragt: „Wie geht es dir? Warum hast du dich denn nicht mal bei mir gemeldet? Ich hätte heute gerne den Tag mit dir verbracht.“ Mit mir?, wundert er sich. „Ich hatte viel zu tun“, murmelt er. Lügen kann er auch nicht gerade gut, sicher merkt sie es sofort. Vor zwei Wochen tranken sie in der Mittagspause einen Kaffee und gingen im Park spazieren. Es war ein wunderschönes Erlebnis für ihn.

„Darf ich bei dir vorbeikommen?“, fragt sie sanft. Tausende Gedanken stürzen auf ihn ein. Hierher, in seine verkommene Wohnung? Es ist unaufgeräumt, wie immer. Er bekommt so selten Besuch, warum soll er sie in Ordnung halten. Er denkt an seinen Spaziergang und seine guten Vorsätze. Sollte er es wagen? Was kann passieren? Sie dreht sich einfach um, wenn sie meine Wohnung sieht, ihr fällt sicher ein wichtiger Termin ein.

Eine innere Stimme rührt sich in ihm. Versuch es doch einfach mal, haucht sie. Er hört sich sagen: „Ja, warum nicht?“ und erschrickt fürchterlich. Das hat er doch nicht gesagt! „Schön, ich bin gleich bei dir“, antwortet sie. „Ich bringe eine schöne Flasche Wein mit“. Sie war noch nie bei ihm, er kennt sie kaum. Aber lange schon beobachtet er sie. Ihren leichten Gang, ihr fröhliche, unbeschwerte Art. Sie sieht sehr attraktiv aus. Er hätte nie gewagt, sich mit ihr zu verabreden. Seine Telefonnummer gab er ihr, weil es vor einiger Zeit Probleme im Büro gab. Dass sie ihn auch privat anrufen würde, konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Er legt den Hörer auf und in Windeseile begann er, wenigstens das Wohnzimmer halbwegs freizuschaufeln. Er zittert am ganzen Körper, stellt sich vor, dass sie gleich vor ihm steht. Bevor er sich Gedanken darüber machen kann, klingelt es. „Da bin ich“, sagt sie und lächelt ihn strahlend an. „Schön“, mehr kommt ihm nicht über die Lippen. Sie geht ins Wohnzimmer, fragt: „Wo ist der Öffner?“ Sie ist so unkompliziert. Merkwürdigerweise fühlt er sich plötzlich sehr wohl. Sie scherzt und erzählt von einem Missgeschick, das sie heute erlebt hatte.

Seine Unsicherheit verfliegt. Er scherzt mit ihr. Er findet die richtigen Worte. Ihm kommt es so vor, als ob er plötzlich gewachsen sei. Verschwunden diese kleinlaute Haltung, verschwunden die Unsicherheit. Als ob er ein ganz anderer Mensch ist.

Wie zufällig berührt er sie, während er mit ihr redet. Liebevoll lächelt er sie an. Sie prosten sich zu und sehen sich in die Augen. Mag sie ihn etwa?

Ihre dunklen Augen sehen ihn klar und offen an. Schweigen. Aber es ist ein angenehmes Schweigen, wie eine Art Zustimmung. Keinen Moment fühlt er sich unwohl, seit sie bei ihm ist. „Ich freue mich, bei dir zu sein. Es ist gemütlich hier bei dir“. Gerade will er widersprechen, da legt sie ihre Hand auf seine. „Das habe ich mir so lange gewünscht. Ich habe heute meinen ganzen Mut zusammennehmen müssen, um dich anzurufen“, gesteht sie ihm. Das macht ihn nun vollends sprachlos. Sie und Mut zusammennehmen? Diese selbstbewusste Frau? „Ich mag dich nämlich sehr“. Er blickt sie forschend an. Sie meint, was sie sagt. Sie meint es wirklich ehrlich. Zärtlich lehnt sie sich an ihn. „Ich mag dich auch sehr“, stammelt er unbeholfen und legt seinen Arm um ihre Schultern.

„Guten Morgen allerseits“, tönt er in das Großraumbüro. „Ein herrlicher Tag heute, nicht wahr?“ Beschwingten Schrittes holt er sich einen Kaffee, geht an seinen Schreibtisch und lächelt glücklich.

© Sabine Koss