Zeit der Ernte

Es gab eine Zeit,

da ließ ich mich demütigen,

misshandeln, beleidigen,

erniedrigen, klein machen,

fast kleinkriegen.

Jahrzehntelang schleppte ich

es mit mir herum,

immer wieder tappte ich

in diese Spuren,

lebte in aufoktruierten Verhaltensmustern.

Ließ mich bestimmen,

verformen,

mich entfremden,

verunsichern, verbiegen.

Fast wäre es gelungen,

dass ich daran zerbrochen wäre.

Ich sammelte die Scherben,

besah die vielen kleinen Perlen,

sie glänzten,

sie strahlten,

und knüpfte eine neue,

wunderschöne Kette.

Ich betrachtete meine Seele,

fragte sie endlich einmal,

wie sie sich fühlt.

Ich hatte sie misshandelt,

sagte sie.

Ich hatte sie verstummen lassen,

sagte sie.

Ich hatte sie vernachlässigt,

ich sperrte sie ein,

ungehört, ungeliebt.

Die Schreie wurden zu laut,

das Wimmern zu lang,

die Schmerzen zu groß.

Sie machte sich Luft,

sie beschwerte sich bei mir

und endlich erhörte ich sie,

nahm sie an,

nahm sie ernst,

begann, sie zu lieben.

Sie gibt mir so vieles zurück,

ohne Vorhaltungen,

ohne Vorwürfe,

ohne Wertung.

Ich mußte sie nur

akzeptieren, annehmen,

aufnehmen, genießen,

wertschätzen, hinhören,

sie dankt es mir

jeden Tag aufs Neue.

Nun ist die Zeit der Ernte.

©Sabine Koss

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4 Gedanken zu “Zeit der Ernte

  1. Mit Interesse lese ich dein Gedicht liebe Sabine! ….. Alles hat seine Zeit – du wurdest geschliffen, zu einem wunderschönen Diamanten – Gott sei DANK!! …. ich fühl mich geehrt, dir begegnet zu sein ♥♥♥

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